Gesundheitsdeterminanten

Herkunft und Begrifflichkeit

Heute ist allgemein anerkannt, dass die Gesundheit der Menschen stark durch ihre Lebensbedingungen sowie durch die Lebens- und Verhaltensweisen beeinflusst wird. Diese Einflüsse werden, im Gegensatz zu den biologisch-genetischen Faktoren, mit dem Begriff „Determinanten der Gesundheit“ benannt. Determinanten der Gesundheit können nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Sie wirken in vielfältigen, sich gegenseitig beeinflussenden Prozessen. Eine individuelle Verhaltensweise wie beispielsweise Rauchen ist beeinflusst vom Lebensstil- der wiederum geprägt ist von den Lebensbedingungen einer Person.

Das Interesse an den Determinanten der Gesundheit hat in den letzen Jahren zugenommen. Das zeigt sich daran, dass Länder angefangen haben, ihre Gesundheitsberichterstattung auf Determinanten der Gesundheit statt an Gesundheitsrisiken zu orientieren. Für weltweites Interesse hat auch die 2005 von der WHO gegründete Kommission (CSDH) für Soziale Determinanten der Gesundheit unter der Leitung von Michael Marmot gesorgt. Auftrag dieser Gruppe war, Evidenzen zu finden, wie gesundheitliche Ungleichheit verringert werden kann und was zu tun ist, damit weltweit diesbezüglich Fortschritte erreicht werden können. Der Schlussbericht wurde 2008 von der Gruppe unter dem Titel „Closing the gap in a generation. Health equity through action on the social determinants of health“ publiziert.

Begründet wird das zunehmende Interesse an den Sozialen Determinanten der Gesundheit damit, dass sie als adäquate Antwort auf die sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts verändernden Lebens- und Arbeitsbedingungen gesehen werden, die durch Globalisierung und Individualisierung zu einer Zunahme von chronischen und psychischen Krankheiten geführt haben.

Soziale Determinanten der Gesundheit

Als wichtige Determinanten werden unter anderem Einkommen und sozialer Status, soziale Unterstützung , soziale Netzwerke, Bildung, soziale Lebensumwelt, Gender und kulturelles Umfeld gesehen.

Weitgehend fehlen noch Erklärungen, wie sich die verschiedenen Faktoren gegenseitig beeinflussen und welche Wirkungspfade unter welchen kontextuellen Bedingungen entscheidend sind.

Konsequenzen und Herausforderungen

Für die Praxis bedeutet die Fokussierung auf Determinanten der Gesundheit ein verstärktes Umdenken. Die bisherige Betonung auf individuelle Verhaltensweisen muss stärker in Richtung Verhältnisprävention unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Ungleichheit gelenkt werden. Der Einbezug des soziokulturellen Kontextes bei Interventionen erhält eine zentralere Bedeutung. Dafür braucht es Grundlagen, eine Gesundheitsberichterstattung, die konsequent auf den Gesundheitsdeterminanten aufgebaut ist. Diese liefert nicht nur die notwendigen Grundlagen für die Umsetzung, sondern ermöglicht durch Evaluationen auch Rückschlüsse, ob Interventionen Veränderungen bewirkt haben. Die Forschung ist insbesondere für die Erklärungen der komplexen Zusammenhänge zwischen Lebenslage und Verhaltensweisen herausgefordert. Schlussendlich ist die Politik für die Entwicklung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gefragt. Nicht nur das Gesundheitswesen, sondern alle Sektoren sind an der positiven Beeinflussung der Sozialen Determinanten der Gesundheit beteiligt. Dazu sind Verfahren für eine multisektorale Zusammenarbeit zu entwickeln und die konsequente Umsetzung einer Health in All Policy wichtig.

Literaturhinweise

  • Commission on Social Determinants of Health, CSDH, (2008). Closing the gap in a generation: health equity through action on the social determinants of health. Final Report of the commission on Social Determinants of Health. Geneva: World Health Organization.
  • Meyer, K. (Hrsg.). (2008). Gesundheit in der Schweiz. Nationaler Gesundheitsbericht. Bern: Huber.
  • Raphael, D. (2008). "Getting serious about the social determinants of health: new directions for public health workers." Promotion and Education, 15(3): 15-20.
  • Wilkinson, R.; Marmot, M. (2004). Soziale Determinanten von Gesundheit. Die Fakten. Zweite Ausgabe. Geneva: WHO [Link/Download]
  • Sie erachten Interventionen, die die Sozialen Determinanten der Gesundheit beeinflussen wollen, als zu komplex.
  • Sie konzentrieren sich auf die Beeinflussung von gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen.
  • Mit der Fokussierung auf soziale Determinanten der Gesundheit erhalten Sie ein umfassenderes Verständnis für die Entstehung von Gesundheit.
  • Sie konzipieren Projekte, die die Lebensrealität der Menschen stärker berücksichtigt und erhöhen dadurch die Chance, dass sich die Menschen angesprochen fühlen.
  • Sie tragen dazu bei, gesundheitliche Ungleichheit abzubauen.
  • Überlegen Sie sich bei der Konzeptentwicklung, welche methodischen Ansätze am geeignetsten sind, Menschen in ihren sozialen Kontexten anzusprechen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie in Ihrem Projekt Menschen erreichen, die von der gesundheitlichen Ungleichheit besonders betroffen sind.
  • Erachten Sie die Begriffe Verhalten und Verhältnisse als Begriffspaar und berücksichtigen Sie in Projekten immer deren Zusammenspiel.
  • Welche Gesundheitsdeterminanten erscheinen in Bezug auf Ihre Gesundheitsthematik besonders bedeutungsvoll? Durch welche Faktoren wird die Gesundheit Ihrer Zielgruppe beeinflusst?
  • Welche anderen Sektoren neben dem Gesundheitssektor könnten für Lösungsansätze in Ihrem Kontext von Bedeutung sein (Bildung, Soziales, Verkehr,…)?
  • Welche methodischen Ansätze wählen Sie, um dem komplexen Verständnis von Gesundheit gerecht zu werden?
Letzte Änderung: Mittwoch, 23. Februar 2011, 13:40 Uhr